Leinfelden-Echterdingen
Sorgfältig zupft die schlanke, elegant gekleidete Frau die Weihnachtskugeln im Schaufenster zurecht. Sie steht neben einer Schaufensterpuppe, die einen schicken Wintermantel anhat. "Ich habe jetzt Zeit und will ein bisschen mithelfen, dass der Laden läuft", sagt Marianne Haug. Von Mode und Schaufensterdekoration versteht die Frau etwas. Sie hat viele Jahre in Echterdingen ein eigenes
Modegeschäft geführt. Jetzt arbeitet sie immer Montags im neuen Tafelladen mit, als eine von zehn ehrenamtlichen Helferinnen der Bürgerstiftung Leinfelden-Echterdingen. Seit gut einem halben Jahr verkauft der Laden in den Räumen des ehemaligen Elektrogeschäfts Lang in der Tübinger Straße 21 Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Gebrauchs stark ver-billigt an bedürftige Menschen am Rande der deutschen Wohlstandsgesellschaft. Betrieben wird er vom Kreisdiakonieverband Esslingen. Die Bürgerstiftung hilft mit Geld und ehrenamtlichen Helfern, die Stadt Leinfelden-Echterdingen kam für die Einrichtung des Ladens auf. „Hier ist es richtig schön“, meint die Helferin Marianne Haug mit unüberhörbarem Stolz in ihrer Stimme und deutet auf die gepflegten Kleidungsstücke, die ordentlich an Kleiderbügeln hängen. Doch auch die Obst- und Gemüseauslagen im hinteren Teil der freundlich hellen Räume sind tiptop.
 

Nach einmütiger Auskunft von Helfern und Kundschaft ist das vor allem das Verdienst von Suayip Ari. Der türkischstämmige Stettener ist stellvertretender Filialleiter und die Seele des Echterdinger Tafelladens. „Bevor nicht alles sauber und in Ordnung ist, gehe ich nicht nach Hause“, sagt der freundliche 34-Jährige. Suayip Ari hat seine eigenen Erfahrungen mit harten Zeiten gemacht: Vor seiner Tätigkeit im Tafelladen, war er anderthalb Jahre arbeitslos. „Ich würde hier sehr gerne blei-ben“, meint Ari über seinen geförderten Job bei der Diakonie, der im kommenden Sommer ausläuft. „Am Anfang war es schon schwer“, berichtet er. Manche seiner Kunden, die eine Schale Tomaten für 60 Cents oder ein Brot für 30 Cents kaufen, hätten sich anfangs noch geschämt. Auch der eine oder andere „seltsame Kommentar“ sei ihm zu Ohren gekommen. Doch das habe sich längst gelegt. Inzwischen kommen täglich zwischen 40 und 60 Menschen in den Laden, Tendenz steigend. Es sind Hartz-IV-Empfänger, sogenannte Aufstocker, also Menschen, die neben den Sozialleistungen noch ein kleines Einkommen haben, und Rentner.

Menschen wie zum Beispiel Douda Sheriff. „Ich habe nicht so viel Geld“, sagt der Versandarbeiter, der aus Liberia stammt, aber bereits 25 Jahre in der Gegend wohnt und längst einen deutschen Pass besitzt. Er kauft im Tafelladen regelmäßig für seine Familie ein: Lebensmittel, Kleider und Schuhe. „Auch in Leinfelden-Echterdingen gibt es eine versteckte Armut“, erklärt Tanja Herbrik von der Diakonie. Für diese Menschen liefert der Kühlwagen einmal am Tag die Lebensmittel an. Es sind die Über-schüsse der örtlichen Supermärkte. Ein Problem: Die Supermärkte haben weniger zum Abgeben. Man könnte mehr Wurst, Fleisch und Molkereipodukte, Konserven, Zucker und Mehl an Bedürftige ver-kaufen. Aber auch gut erhaltene Kleidung, Schuhe, Geschirr, Kinderspielzeug oder Kinderbücher könnte der Tafelladen gerade so kurz vor Weihnachten gut gebrauchen. Suayip Ari weist daraufhin, dass in seinem Laden alle Kunden willkommen sind. Nur beim Kauf der Lebensmittel werde die Bedürftigkeit überprüft. Alle anderen Waren kann jeder erwerben. „Wer hier einkauft, tut Gutes“, meint er lächelnd.

Adresse:

Tafelladen Echterdingen
Tübinger Straße 21
70771 Leinfelden-Echterdingen

Öffnungszeiten:

Mo., Di., Do., Fr. 14:00 - 17:00 Uhr
 

 

 

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